Ich möchte diesen Text gleich zu Beginn schamlos als Danksagung missbrauchen. Nihilistin hat mir mit Bezug auf meinen gestrigen Artikel bei GNIT mit dem Verweis auf die Amazon-Wunschliste eine neue Tastatur zukommen lassen. Ich freue mich über sowas wahnsinnig, und das natürlich nicht wirklich wegen der paar Euro, die mir das spart. Ich weiß das einfach als liebe Geste und als Anerkennung für meine Schreiberei zu schätzen.
Die Tastatur (ist noch nicht angekommen) habe ich mir ja bei Amazon mehr oder minder auf Verdacht selbst ausgesucht. Mal abgesehen davon, dass ich jetzt sicher keine neue geschenkt bekommen würde, wenn ich mir eine in der Preisklasse der Optimus Maximus ausgesucht hätte, habe ich mich wirklich schon gefragt, ob es eigentlich angemessen ist. Ich meine: Ich schreibe nun inzwischen doch mehr oder minder professionell, verbringe eine unglaubliche Anzahl an Stunden vor meinem PC (mein Chef wäre froh, wenn ich so viel Zeit im Taxi verbringen würde) und tippe auf einer Tastatur für unter 10 €?
Ja.
Ob man es glaubt oder nicht: Ich hab mich nunmal daran gewöhnt, einfache rechteckige Tastaturen mit null Extras zu bedienen. Dass es sicher Möglichkeiten gäbe, „angenehmer“ zu schreiben, ist mir bewusst. Mehr aber ist mir bewusst geworden, dass wir letztlich doch alle zu verschieden sind, um „das Beste“ irgendwie allgemeingültig festzustellen. Wenn irgendein geschulter Mensch sich mal die Ergonomie meines zweiten Arbeitsplatzes ansehen würde, würde er aus allen Wolken fallen. Nicht nur, dass meine Tastatur quasi schon beim Anschauen ein Karpaltunnelsyndrom auslöst, nein auch der Rest ist geeignet dazu, umgehend zu sterben. Als Stuhl am Schreibtisch nutze ich tatsächlich einen Sessel. Und zwar keinen lederüberzogenen Drehsessel in bester meinem Ego angemessenen Chef-Manier, sondern einen wie diesen, für was ich echt keine rationale Begründung habe. Darin sitze ich an einem normalen Büroschreibtisch, von dessen Beinen allerdings vor ziemlich genau 8 Jahren 8 bis 10 cm abgeflext wurden, weil er sonst nicht in mein altes Zimmer reingekommen wäre.
Und?
Das mache ich seit Ewigkeiten so. Vielleicht werde ich es auch mal bereuen, erstaunlicherweise bin ich aber trotz Übergewicht und schiefer Wirbelsäule im Vergleich zu erschreckend vielen Freunden in meinem Umfeld bisher von Rückenschmerzen verschont geblieben.
Und um zur Tastatur zurückzukommen: Ich tippe nicht einmal mit dem 10-Finger-System.
Ich halte auch meinen Stift anders als 99% der Menschen und habe dennoch Briefe bis zu 400 Seiten Länge schreiben können.
Das soll kein Text werden, mit dem ich mir einen auf meine Individualität runterhole. Es ist schön, dass die Menschheit inzwischen überhaupt über sowas wie Ergonomie nachdenkt und ihr dürft alle über meine Macken meckern, wenn ihr irgendwann erhöhte Krankenkassenbeiträge wegen meiner Reha zahlt.
Bis dahin dürft ihr euch freuen, dass ich euch mit guter Laune ein wenig unterhalte und ich bin froh, dass ich mir bei Tastaturen und Sesseln nicht die teuersten aussuchen muss. Bzw., dass sie mir sogar geschenkt werden 😀
Fröhliches Tippen auf der neuen Tastatur. Und ich habe für mich herausgefunden, dass Ergonomie die Haltung ist, in der ich mich wohl fühle und unverkrampft bin. Und dazu mache ich auch Dinge, die jedem Ergonomie-Guru einen Herzklappenabriss bereiten würden.
Wie haelst du denn deinen Stift?
Von ergonomischen Tastaturen oder welchen mit hundert „Multimediatasten“ halte ich wenig. Trotzdem habe ich mir in den letzten Monaten zwei Tastaturen gekauft obwohl die alten noch super funktionierten. Und zwar wegen der Mechanik die die Tastendrücke auslöst. Zuerst eine 19 Jahre alte IBM Model M für die (Programmier- und Schreib-) Arbeit, dann eine neue Cherry für zu Hause. Die M wollte ich schon ewig mal ausprobieren, aber der Gedanke 40 Euro für eine versiffte, vergilbte DIN-Tastatur auszugeben hat mich jahrelang davon abgehalten. Jetzt wo ich die Federn einmal getastet habe kann ich aber nicht wieder auf Gummikappen zurück.
Aber das ist natürlich Geschmackssache und die letzten 15 Jahre bin ich auch super mit einer Billigtastatur ausgekommen. Jetzt gönne ich mir aber den Luxus, vor allem weil ich den halben Tag davor sitze.
@Optimus Maximus (1.804€ — in Worten: eintausendachthundertundvier Euro):
„Die Optimus Maximus Tastatur verfügt über 113 OLED Displays, von denen jedes einzeln angesteuert werden kann, so dass problemlos verschiedene Layouts auf dem Keyboard angezeigt werden können (für das deutsche Standardlayout fehlt allerdings leider eine Taste im Hauptblock).“
Echt ohne Worte…
Vieles wird doch – das sollte nun niemanden wirklich überraschen – nur angeboten, um damit Geld zu verdienen, und zwar mehr Geld als die Konkurrenz. Da bezahlt man bei einem Auto den Namen mit, da wird auf ein Nahrungsmittel ein Etikett raufgepappt, da wird die Verpackung aufwendiger gestaltet. Und etwas wird als „ergonomisch“ bezeichnet, ob das dem Konsumenten nachher weiterhilft oder nicht und unabhängig davon, ob es sich objektiv belegen läßt. Und das alles soll den dummen Leuten suggerieren, das Verpackte sei eindeutig besser als die Konkurrenzprodukte („das sieht man ja schon am Preis“).
Also haben bei mir Leute, die auf so etwas nicht so leicht hereinfallen, per se ein etwas besseres Ansehen als andere. Zumal ich selbst in vielen Dingen auch materiell einigermaßen anspruchslos bin. (Daß viele Leute, speziell auch Linkshänder, den Stift auf sehr abenteuerliche Weise halten, ist mir aber schon oft aufgefallen.)
Und auch Goethe hatte ja bereits gesagt: In der Beschränkung (nicht: Beschränktheit!) zeigt sich erst der Meister.
Ich komme ja herrlich mit meiner Tastatur zurecht. Die ist zwar kurz davor mich zu begrüssen wenn ich nach hause komm, so schmutzig ist die, aber dafür hat sie nen angenehmen Druckpunkt. Ist auch die zweite Tastatur die ich mir jemals gekauft habe. Ist jetzt auch schon gut 10 Jahre alt. Wenn die mal den Geist aufgibt, wirds echt schwer. Die örtlichen Elektronikhändler haben jedenfalls nix vernünftiges, egal in welcher Preisklasse. Nebenbei merke ich grade, dass auch die ziemlich einfach Dell Tastatur die grad vor mir liegt hier an der Uni, mir ganz und gar nicht gefällt. Ich spreche gerne von der „Laptopisierung“ der Tastaturen. Immer flachere Tasten, die man immer weniger tief drücken kann. Nix für mich.
@Donngal: Plastikreiniger? Meine alte IBM-Tastatur im Büro sah so jahrzehntelang aus wie neu. Man muss ja sein Ekelgefühl nicht übermässig trainieren, oder? 🙂
Sash, mal ne Frage zu Deinem Schreibtisch-Schwinger: wie sitzt Du in dem Ding? Ich meine anatomisch? Ich frage, weil ich diese Teile für die unbequemsten Stühle ever halte. Wenn man „normal“ drin sitzt und sich anlehnt fühlt man sich wie ein Affe in nem Schaukelstuhl mit Liegestuhlrückenteil und dümpelt so halb liegend vor sich hin. Geht zumindest mir so. Lehnt man sich nicht an, bleibt nur die allervorderste Stuhlkante, um einigermaßen aufrecht zu sitzen. Wie um alles in der Welt sitzt Du auf dem Ding?
Aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen scheinen diverse Berufe diese Stühle zu lieben. Ich habe schon das ein oder andere Gespräch in einem solchen Sessel sitzend hinter mich bringen müssen und hatte dabei die Wahl mir vorzukommen, als läge ich während des Gespräches oder aber als müsste ich aufs Klo wegen dieser seltsam hockenden Haltung auf der vorderen Stuhlkante.
Was ist das Geheimnis dieses Stuhls? Ich begreife es einfach nicht, aber irgendwer kauft diese Teile – also? 🙂
@Der Maskierte:
Danke für die Zustimmung 🙂
@oni und Donngal:
Ich mag die flachen eigentlich ganz gerne, wobei ich zugebe, dass damit die Genauigkeit sinkt. Einen alten IBM-Prügel von 2kg Gewicht hatte ich auch mal, das hat ohne Zweifel was authentisches. Aber auf Dauer ist es mir schlicht zu laut und zu anstrengend 😉
@Marco:
Das schärfste ist aber eigentlich, so eine Nerd-Tastatur anzubieten und dann keine Steuersoftware für Linux zu haben 😀
@anonym:
Es ist ja auch nicht alles Abzocke, was teuer ist und viele Dinge machen Sinn. Nur eben nicht alle. Und ja: Dass Beschränkung den Meister macht, stimmt bisweilen.
@antagonistin:
Ich sitze vorne auf der Kante und kippel mit dem Stuhl 🙂
Nur wenn ich mal was anschaue, lehne ich mich zurück. Ist im Grunde nicht das Bequemste der Welt, aber irgendwie mag ich es inzwischen und fühle mich unwohl auf normalen Stühlen…
@Donngal
Mir hat eine Firma bei einem Job auch mal eine Tastatur auf den Schreibtisch gestellt, bei der die Erkennbarkeit der Buchstaben bereits aufgrund des Schmutzes beeiträchtigt war. Aufmucken ging schlecht, aber Zeit war da.
Also habe ich zur Beweissicherung und wegen der richtigen Anordnung der Tasten ein Foto gemacht und anschließend alle Tasten abgeklippst und in Spülwasser mit einer Bürste bearbeitet. Und das Beste war: sie hat nach dem Zusammenbau (und vorherigem Trocknen) wieder funktioniert.
Bei mir wirds auch mal dringend Zeit für einen neuen Schreibtischstuhl. Dann werde ich mich aber für ein anderes Modell als du entscheiden. In dem Ding sitzt man ja schon fast auf dem Boden…
BTW: Schreibst du wirklich 400 _Seiten_ lange Briefe? Zeilen könnte eher hinkommen…
@Michi:
Die Geschmäcker sind nunmal verschieden 🙂
Und was die Briefe angeht. Die 400 Seiten waren einmalig. Aber kein Schreibfehler 😉
@Nihilistin und Matthias:
Ich mag meine Schmutztastatur, das ist schon ok so, ich sag immer, dass ist besser als jeder Passwortschutz 😀
Meine Ekelgrenze ist hoch, wenn nicht sogar inexistent, deshalbt hab ich echt kein problem damit.
Könntest Du Ozie mal bitten, ein Foto von Dir am PC zu machen??
Ich kann mir kaum vorstellen, wie Du als 2-Meter+-Mann an einem abgesägten Schreibtisch mit diesen völlig ungeeigneten „Bürostuhl“ sitzt.